Manövertips aus der Praxis
von Hans Genthe


TIP 1: Keine Angst vor der Spihalse
- mit kleiner Besatzung
- bei viel Wind

Achtung! Dieses Manöver funktioniert wirklich perfekt nur auf Booten, die Gleiten oder bei Welle in den Surf kommen.
(z.B.: BB10, DK 46, Flying Dutchman, 505er, ASSO 99, ...)

Die folgende Halse ist für die Situation bei viel Wind beschrieben, bei wenig Wind kann man freier arbeiten. Bei ganz wenig Wind sollte man die Schoten eh´aus der Hand fahren.

Und so geht´s:
Halse einleiten durch Abfallen und klare Ansage. BEIDE Barberholer dabei dichtnehmen. Alternativ kann man beide Achterholer (bei doppelten Spischoten) dichtnehmen. Damit verhindert man, das der Spi eventuelles Geigen verstärkt.

Abfallen bis auf platt vor dem Laken und etwas weiter, der Spi muss dabei so weit wie möglich achtergeholt werden. Der Steuermann beobachtet dabei die Windbändsel im Achterliek des Großsegels, wenn das Erste anfängt, innen nach vorne zu wehen, ist die richtige Position erreicht. Dabei gilt: Der Steuermann hat den bequemen Job, er richtet sich nach der Geschwindigkeit der Mannschaft, nicht umgekehrt! (Das ist vor allem bei viel Wind ein durchaus motivierendes Vorgehen.)
Jetzt auf keinen Fall weiter abfallen, sonst gibt es eine Patenthalse. Achterlieksbändsel und Wellen im Auge behalten.

Der Spibaum steht ca. 80 Grad zum Schiff, aus der Sicht des Steuermann fast rechtwinklig zum Boot. Wenn die Luvkante des Spis etwas einfällt, je nach Bootsgröße 10-50cm die Leeschot dichternehmen. Den Spi bei viel Wind lieber etwas dichter fahren. Wir nennen das gepreßt.

In dieser Position können dann die Spischoten sogar BELEGT werden! Der Steuermann sollte jetzt alleine das Boot steuern können, und gibt rechtzeitig vor dem Moment der höchsten Geschwindigkeit (z.B. im Surf die Welle hinunter) das Signal zum Baum aushaken. Der Baum sollte nun so bald wie möglich auf der anderen Seite wieder angebracht werden. Besonders cool ist es, wenn man das schafft, bevor das Großsegel schiftet.

Achtung! Auf keinen Fall das Manöver einleiten, wenn der Spi nicht steht.
Bei viel Wind sollte man sich eine besonders hohe Welle aussuchen, da geht´s am schnellsten runter, und dann ist kaum Druck im Schiff. Wenn das Boot so richtig in Fahrt ist, sollte der Steuermann zur Sicherheit dem Mann am Spibaum das Signal zum auspieken geben, meist merkt der Vorschiffsmann es allerdings selbst, weil im richtigen Moment wenig Druck auf der Schot und damit auf dem Baum ist.

Der Steuermann gibt nach dem Umschlagen des Großsegelns nach Bedarf kurz Stützruder. Wenn´s der richtige Moment zur Halse war, ist selbst das kaum notwendig.

Auf dem neuen Bug sind die Schoten nun bereits richtig eingestellt, ohne das jemand die Schoten angefasst hat. Wenn nicht, dann hat der Steuermann einen Fehler gemacht, ist z.B. zu schnell angeluvt (So´n typischer Fehler von mir).

Auf dem FD haben wir Kugeln auf der Schot, die den Weg der Leeschot begrenzen. Auf der Luvschot haben wir eine Markierung.
Auf Dickschiffen will man gerne die Schot schnell wechseln können, so machen wir uns auf beiden Schoten eine Markierung, das schont die Nerven und vermeidet unnötige Diskussionen.

Solange der Steuermann sauber steuert, kann man nach dem Schiften ganz in Ruhe den Spibaum anbauen. Wenn jemand frei ist, sollte der Vorschiffsmann in seiner Arbeit durch Fieren oder Dichtholen der Schoten, vor allem durch eventuelles kurzes Fieren der Luvschot beim Baumeinhaken unterstützt werden. Ist aber eigentlich nur notwendig, wenn der Steuermann einen Fehler macht, also sauber steuern üben...

Als allerletztes öffnet man den Barberholer im neuen Lee und luvt an. Die Geschwindigkeit dabei richtet sich wieder nach der Mannschaft, und nicht nach dem Steuermann!

Wie schon gesagt, sehr viel hängt vom Gefühl des Steuermanns für das Boot ab. Darum empfiehlt es sich, zu üben: Einfach platt vor dem Laken mit belegten Schoten dem Spi hinterher fahren. Macht nach kurzer Zeit dann auch richtig Spaß.

Das Entscheidende beim Halsen ist: Keine Angst vor Speed!
Im Moment der höchsten Geschwindigkeit kann man bequem das Großsegel schiften, da kaum Druck im Segel ist. Wenn viel Druck im Groß ist, hat das meistens folgende Gründe:
1. Falscher Moment, der Bug bohrt schon in der nächsten Welle, das Boot ist zu langsam, also warten.
2. Zu wenig abgefallen, aus Angst vor einer Patenthalse - also Bändsel im Groß beachten!
3. Spi eingefallen - leicht anluven, und die Mannschaft alles klarieren lassen. AUF KEINEN FALL JETZT HALSEN!!!
Wenn mit Macht das Großsegel geschiftet wird, kommt nach dem Überschlagen des Großbaums sehr viel Druck auf´s Ruder. Das liegt daran, dass das hintere Segel plötzlich für Vortrieb sorgt und das Boot beschleunigt. Dadurch wird es luvgierig und will auf dem neuen Bug in den Wind schießen. Wenn der Spi das Boot zieht, wenn man dann bei Welle sauber ins Tal fährt, kann der Steuermann sogar bei 12m Booten das Groß selbst aus der Hand schiften, ohne Druck.

Zugegeben: Das ist auf IOR-Booten sehr viel schwieriger, weil die nicht so schnell werden. Geht aber mit ausreichend Mannschaft auch.

Wir verwenden dieses Manöver erfolgreich auf dem FD, der ASSO 99 und auf größeren Schiffen.
Das funktioniert sogar zu zweit auf einer BB10 (10m Kielschiff) bei bis zu 6 Beaufort (Double-Handed Challenge 2007), allerdings nur, wenn meine Frau steuert, das Einpieken des Baumes erfordert bei 6 Beaufort dann doch ziemlich Kraft, da die neue Luvschot nach der Halse schon relativ dicht ist. Denn die Schoten bleiben in der Halse-Zu-Zweit belegt, der Steuermann schiftet das Groß wenn der Vorschiffsmann am Mast klar ist.


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Übrigens: Wir fahren immer Achtknoten auf dem Ende der Spischoten, damit die nicht ausrauschen können. Das ist sicherer.

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